Mittwoch, 3. April 2013

Unsere Botschaften an Außerirdische + Leitfaden für den Erstkontakt

Im Laufe der Zeit haben wir als Menschheit ja einige Botschaften an mögliche Außerirdische versandt - manche mit Raumsonden, andere über elektromagnetische Wellen. Dass es äußerst unwahrscheinlich ist, dass diese Nachrichten von Aliens gefunden und danach auch entziffert werden können, war und ist jedermann bewusst. Deshalb hat man sich bemüht, die Informationen in den Botschaften so zu verschlüsseln, dass sie ohne Kenntnis irdischer Sprachen, Schriften oder Begriffen entschlüsselt werden können - für den Fall, dass sie entdeckt werden. Wie diese Botschaften aussehen, werde ich also hier kurz beschreiben.
Doch dann bleibt noch eine Frage: Wie soll ich mich verhalten, wenn Außerirdische Kontakt mit mir aufnehmen und niemand anderer als ich selbst die Menschheit würdig vertreten sollte? Am Ende des Artikels findet ihr dazu einen kurzen, aber ziemlich coolen Leitfaden in Form einer Infografik.

Die Pioneer-Plaketten, 1972

Auf den beiden interstellaren Raumsonden Pioneer 10 und Pioneer 11 wurde jeweils eine mit Gold beschichtete Aluminium-Plakette angebracht, die möglichen außerirdischen Findern Informationen über das Lebewesen Mensch und unsere Position im Universum überbringen sollte.
Entworfen und angefertigt wurde die Botschaft von Carl Sagan, Frank Drake und Linda Salzman Sagan.

So sieht die ca. 23x15 cm große Botschaft schematisch aus:
Pioneer-Plakette, schematisch (Bild von Wikipedia)

Sofort auffallend sind die beiden Skizzen von Mann und Frau, die logischerweise einfach zeigen sollten, wie wir aussehen. Die gehobene Grußhand des Mannes sollte Kontaktbereitschaft andeuten und wird von Aliens hoffentlich nicht als aggressive Geste interpretiert. Hinter den zwei Menschen sieht man schematisch abgebildet die Pioneer-Sonde. Somit hat man als Alien schon mal einen ersten Eindruck, wie groß wir ca. sind.
Die Linien, die in der linken Hälfte des Bildes auf einen Punkt zusammenlaufen, sollen unsere Position im Universum beschreiben. In der Mitte befindet sich logischerweise unser Sonnensystem; an den anderen Enden der Linien sind 14 Pulsare. Sollten aus Alien-Sicht nicht alle Pulsare sichtbar sein, so kann die Bestimmung der Position des Sonnensystems wenigstens mittels Triangulation herausgefunden werden.
Im unteren Teil der Botschaft erkennt man leicht eine Skizze unseres Sonnensystems. (Pluto war damals noch ein Planet und die Ringe um Jupiter, Uranus und Neptun waren noch nicht bekannt.) Zusätzlich sieht man die Trajektorie der Pioneer-Sonde, bevor sie das Sonnensystem verlassen hat.

Das ist alles schön und gut, doch bei der Botschaft fehlen noch wichtige Informationen, wie z.B. absolute Größenangaben (nicht nur relative) und wenigstens ein paar Details über die Pulsare und usere Planeten.
Hier kommt dieses eigenartige hantelförmige Gebilde im linken oberen Rand ins Spiel. Es stellt den Hyperfeinstrukturübergang eines Wasserstoffatoms dar. Warum gerade Wasserstoff? - Ganz einfach: Wasserstoff ist das häufigste Element im Universum. Zwischen den zwei "Kugeln" unterhalb der Verbindungslinie findet man einen senkrechten Strich, der binär die Zahl "1" darstellen soll. (Durch Klicken kann man das obere Bild übrigens vergrößern.)
Diese Darstellung des Wasserstoffatoms definiert die auf der Plakette universell verwendeten Längeneinheiten und Zeiteinheiten dar. (Der Drehimpulsübergang des Elektrons des Wasserstoffes vom Zustand Spin-Up zum Zustand Spin-Down beschreibt die Längeneinheit (Wellenlänge, 21 cm) und die Zeiteinheit (Frequenz, 1420 MHz).)
So bedeutet "1-0-0-0" zwischen den zwei Strichen, die die Größe der Frau andeuten, in der binären Schreibweise die Zahl 8. Gemessen in der über den Wasserstoffübergang definierten Längeneinheit ergeben sich 8*0,21 m = 1,68 m für die Größe der Frau.
Die Zahlen bei den Pulsaren geben die Rotationsdauer der Himmelskörper an. Da sich diese Frequenz mit der Zeit ändert, können sehr intelligente Außerirdische sogar gleichzeitig den Zeitpunkt der Erstellung der Botschaft bestimmen. Außerdem sind noch Informationen über die relative Entfernung und Position der Pulsare von der Erde kodiert.

Das klingt ziemlich kompliziert und es stellt sich natürlich die Frage, ob eine außerirdische Intelligenz diese Informationen aus der Botschaft herauslesen kann. Oftmals wurde kritisiert, dass wegen der großen Informationsdichte der Botschaft die Lesbarkeit und Verständlichkeit leidet.

Die nächste Botschaft ist - meiner Meinung nach - noch kurioser:

Die Aricebo-Botschaft, 1974

Die Aricebo-Botschaft wurde zwei Jahre später in Form eines einmaligen Radiowellen-Signals in Richtung des Kugelsternhaufens M13 (Sternbild Herkules) ausgesandt. Dort sind mehr als 300.000 Sterne, sodass die Wahrscheinlichkeit steigt, intelligente Aliens damit zu treffen. (Manche würden jetzt sagen "300.000 mal Null ist auch Null" - aber darum geht's jetzt nicht.)

Die Botschaft besteht aus einem binären Signal ("0 und 1") von 1.679 Bits. Ein Empfänger müsste diese Zahl in ihre Primfaktoren 23 und 73 zerlegen und die Bitfolge anschließend in einer 23x73-Matrix anordnen. Dazu ist die Kenntnis von Rechtecken (Quadraten) notwendig. (Kennen die Aliens beispielsweise nur wabenförmige Objekte, können sie die Botschaft nicht entschlüsseln.)
Macht unser imaginäres Empfäger-Alien alles richtig, erhält es folgendes Bild aus dieser Botschaft (die Farbinformationen werden nicht mitgeschickt, diese muss man sich optimalerweise dazudenken):




Eingefärbte Aricebo-Botschaft
(Bild von Wikipedia)
Der erste Absatz:
Im ersten "Absatz" (die ersten vier Zeilen) werden zehn Objekte definiert, die die Zahlen von 1 bis 10 darstellen, wobei die vierte Zeile nicht zur binären Codierung zählt, sondern die Position des kleinstwertigen Bits angibt. Der erste Absatz stellt somit die "Leseanleitung" für die folgende Botschaft dar.

Der zweite Absatz:
Der zweite Absatz (violett eingefärbt) ist wiederum eine Leseanleitung für den darauffolgenden Absatz. Der 5x5-Block ergibt laut erstem Absatz die Zahlen "1 6 7 8 15". Diese sollen für die Ordnungszahlen (Protonenzahlen) der Elemente Wasserstoff, Kohlenstoff, Stickstoff, Sauerstoff und Phosphor stehen. Aus diesen fünf wichtigsten Elementen der Biochemie ist z. B. unsere DNA aufgebaut.

Der dritte Absatz:
Im grün eingefärbten Teil wird der Aufbau der DNA erläutert. Die 12 verschlüsselten Objekte stellen deren Bausteine dar und lassen sich wie in folgender Tabelle lesen:
DesoxyriboseAdeninThyminDesoxyribose
PhosphatPhosphat
DesoxyriboseCytosinGuaninDesoxyribose
Phosphat

Phosphat


Der vierte Absatz:
In diesem Absatz wird die Struktur der DNA veranschaulicht.
Die weiß gefärbten Zellen stellen die Zahl 4.294.441.822 dar, was ungefähr der Anzahl der Nukleotide des menschlichen Genoms entspricht.
Die räumliche Struktur der DNA wird durch die blauen Streifen um diese Zahl angedeutet.


Der fünfte Absatz:
Jetzt geht's nicht mehr nur um die Biochemie, sondern konkret um den Menschen als solches.
Links vom roten Männchen (das den Menschen als einen Zweifüßer zeigen soll) findet man in weiß die Zahl 14 innerhalb eines senkrechten (blauen) Balkens. Dieser Balken deutet an, dass es sich hierbei um eine Höhenangabe handelt. 14 multipliziert mit der Wellenlänge der Nachricht (12,6 cm) ergibt 176,4 cm - die ungefähre Größe eines Menschen. Durch das Entspringen der DNA-Doppelhelix des vierten Absatzes aus dem Kopf des Menschen soll ein direkter Bezug zwischen Mensch und DNA hergestellt werden. Der rechts davon befindliche Block ist die Zahl 4.292.853.750 - die ungefähre Weltbevölkerung im Jahre 1974.


Der sechste Absatz:
Im gelben Teil der Botschaft wird unser Sonnensystem symbolisiert und die Position der Erde darin. (Die Erde ist der einzige Punkt, der höhergestellt ist als die anderen.) Zusätzlich sind noch die verschiedenen Größen der Planeten angedeutet.


Der siebte Absatz:
Genau unter der Erde aus dem vorhergehenden Absatz befindet sich eine Skizze des Aricebo-Observastoriums, welches die Botschaft versandte (violett). Die weiße Zahl im blauen waagrechten Balken bedeutet eine Breite von 2430*0,126 = 306 Metern - der Durchmesser der Antenne (eigentlich 304,8 m).


Das ist die Aricebo-Botschaft. Wahnsinn, oder?
Doch kann das irgendjemand entschlüsseln? Das versuchte Frank Drake, der Hauptautor der Botschaft, herauszufinden. Dazu gab er die verschlüsselte Nachricht (also die Folge von Nullen und Einsen) einigen Kollegen, die auf besagtem Gebiet tätig waren (u. a. Carl Sagan), welche die Botschaft nahezu vollständig entschlüsseln konnten. Verlässliche Quellen für diese Tests gibt es allerdings anscheinend nicht.
Bleibt nur noch die Frage, ob Aliens mit diesem Signal etwas anzufangen wüssten...

Voyager Golden Record, 1977


"Voyager Golden Records" - Das sind vergoldete Kupfer"schallplatten", die Bild- und Toninformation über die Menschheit enthalten. Sie wurden auf die Raumsonden Voyager 1 und Voyager 2 montiert. Ihre Lebensdauer beträgt etwa 500 Millionen Jahre, also gibt es die Platten vielleicht noch, wenn es uns nicht mehr gibt.
Beim Entwurf dieser Platten war wiederum Carl Sagan beteiligt. Er leitete dasVoyager Golden Record Team.

So sieht die Voyager Golden Record aus:
Golden Record (Bild von Wikipedia)
Die Anleitung zum Abspielen der Scheibe befinden sich auf der Hülle der Platte, dem Golden Record Cover. Darauf sind auch (wie bei den Pioneer-Plaketten) die Position des Sonnensystems relativ zu 14 Pulsaren und die charakteristische Schwingfrequenz des Wasserstoffatoms abgebildet.
Golden Record Cover (Bild von Wikipedia)
Auf der ca. 30 cm großen Platte selbst wurden 115 analog gespeicherte Bilder deponiert und Grußworte ("Herzliche Grüße an alle") in 55 Sprachen sowie Geräusche aus Flora und Fauna gespeichert. Dann gibt's verschiedene Musik (u.a. von Bach, Beethoven, Mozart, Chuck Berry,...). Nicht fehlen durften natürlich eine Audiobotschaft vom damaligen UN-Generalsekretär Kurt Waldheim und eine schriftliche Nachricht vom US-Präsidenten Jimmy Carter persönlich ("This is a present from a small, distant world, a token of our sounds, our science, our images, our music, our thoughts and our feelings. We are attempting to survive our time so we may live into yours.")



Das waren nun drei Botschaften, die wir im Laufe der Zeit ins All geschickt haben, in der Hoffnung, dass irgendjemand/-etwas sie findet und richtig interpretiert.

Ich bin skeptisch, ob wir jemals Rückmeldung bezüglich dieser Nachrichten erhalten. (Würde jemand hier auf der Erde sagen, er habe irgendetwas gefunden mit sonderbaren Zeichen darauf und er habe sogar eine in sich schlüssige Erklärung, dass es sich dabei um einen Gegenstand Außerirdischer handelt, die damit Kontaktbereitschaft ausdrücken wollen - ich wäre mir ziemlich sicher, dass ich es mit einem Verrückten zu tun habe, der sich eine Verschwörungstheorie ausgedacht hat.)

ABER: Was ist, wenn Außerirdische Kontakt mit uns aufnehmen? Was ist, wenn ihre Kontaktperson du selbst bist und du somit die gesamte Menschheit würdig vertreten musst, du aber gleichzeitig die Sprache der Aliens nicht verstehst? Darüber schon einmal Gedanken gemacht?

Wahrscheinlich nicht sehr gründlich, oder? (Warum auch.)
Deshalb gibt es hier abschließend diese (durchaus witzige) Infografik, die jenem Menschen, der den ersten Kontakt mit Außerirdischen erlebt, als Verhaltensleitfaden dienen soll:



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